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EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

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Konstantin
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#51 Beitrag von Konstantin » Fr 8. Feb 2019, 02:58

Texte: GENIAL
Musik: eher mau...

Für mir schade mit dieser EP in Summe. Die Texte sind ja auf der Höhe der Zeit - wenn auch nicht mehr so subtil wie früher, wenn es um Gesellschaftskritik ging. Und genau das ist es wahrscheinlich: Den PSB ist das subtile abhanden gekommen. War die Kritik früher noch zwischen den Zeilen, so ist es heute ZU offensichtlich gesellschaftskritisch. Und während man sich früher musikalisch an Kraftwerk, Jean-Michel Jarre, Vincent Clarke etc. orientiert hat, klingt es heute wie die PSB -Variante von Andrea Berg, Helene Fischer, etc.
Das Zitat, daß die PSB den deutschen Schlager lieben, scheint hier nun endgültig seine musikalische Erfüllung gefunden zu haben...
"That's another good thing about Pet Shop Boys: Always home in time for dinner."
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Konstantin
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#52 Beitrag von Konstantin » Fr 8. Feb 2019, 03:12

Trevis hat geschrieben:
Mi 6. Feb 2019, 10:25
Aber vielleicht ist es ja gerade das, was sie zeigen wollen. Subtiles verstehen heutzutage die meisten Dumpfbacken halt nicht mehr...
Genau diesen Gedanke hatte ich auch, daß diese "Nicht-Qualität" Absicht sein könnte. Andererseits - vielleicht liegt es auch nur daran, daß die PSB als werden?!
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#53 Beitrag von Werner » Fr 8. Feb 2019, 11:11

The Forgotten Child

https://www.youtube.com/watch?v=Two6mcJGYCM

Balladen können sie doch immer noch am besten... (merkwürdig eigentlich)
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#54 Beitrag von Werner » Fr 8. Feb 2019, 11:28

Nachdem nun die EP komplett ist, ist ein (vorläufiges) Gesamturteil möglich - und auch erst zuässig...

Als echte AGENDA gesehen empfinde ich es als wirklich starkes Statement, mit dem ganz große Säulen der Probleme dieser Zeit (Klima fehlt noch...) abgehandelt werden - das hätte ich in dieser Deutlichkeit von ihnen nicht so erwartet. Respekt!

Allerdings sind die angesprochenen Themenkomplexe in den letzten Jahren/Monaten auch so extrem ausgeufert und offensichtlich geworden, dass Subtilität tatsächlich kein Ausdrucksmittel dafür ist. Insofern kann man die Songs eher als vertonte imaginäre Interview-Aussagen betrachten - was wiederum im lyrischen Sinne entlastend ist.

Musikalisch ist das Ganze kein Highlight - bis auf "The Forgotten Child". Aber auch das wird im Gesamtkontext eher zweitrangig... (Und letztlich hört man sich auch rein, wachsen die Stücke durchaus).

Insgesamt eine ganz bemerkenswerte Veröffentlichung - inhaltlich und letztlich auch marketingtechnisch.

Die beiden können also immer noch überraschen...
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#55 Beitrag von loveetc123 » Fr 8. Feb 2019, 11:29

@Chris,was soll man sagen?Deine Meinung,ok,aber peinlich????Peinlich kann es nur sein,wenn ich was irgendwas erwarte und das dann nicht bekomme,wie ich es will.Aber so,wie "Agenda" ankam,wie aus heiterem Himmel,war ich überrascht und hab mich gefreut,obwohl NATÜRLICH ich nicht alles daran gut finde.Damit hast Du in meinen Augen recht,es gab schon besseres..

Was mich interessieren würde,da Du ja sehr,sehr negativ redest über die PSB,gab es denn in den letzten 10 Jahren einen Track,den auch Du gut fandest und welchen?

Zu "Agenda",bzw den einzelnen Songs muss ich sagen,das ich von Tag zu Tag begeisterter bin von "Stupidity".Die Melodie,der Text ist in meinen Augen grandios,fast eine Hymne und zb zu Winner viel viel besser. 8/10

Total geil finde ich auch "The forgotten child".Tolle Ballade,toller Text,hätte aus meiner Sicht auf jedem Album Platz.7/10

Mittel finde ich "On social media",klingt etwas nach "in bits",kann ich nicht viel mit anfangen,aber das Video gefällt mir.5/10

Und am wenigsten gefällt mir dieses "rich".Der Mittelteil ok,aber dieser Chorgesang klingt in meinen Augen nicht so doll.3/10

Alles in allem bin ich aber froh über was neues,in Verbindung mit dem Buch etc. klasse.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#56 Beitrag von Zukunft » Fr 8. Feb 2019, 12:48

Die Gesamtbeurteilung zu "Agenda":

POSITIV:
- Durch das eigene Label sind sie völlig frei von äußeren Zwängen und können so mit dieser Veröffentlichung alle überraschen. Diese neu gewonnene Flexibilität haben sie erstmals wirklich genutzt. Das ist ein dickes Plus. Fraglich, ob sie "Agenda" so auch bei Parlophone durchbekommen hätten.
- Die Marketingkampagne hat mit minimalem Aufwand die maximal mögliche Wirkung erzielt. Jeden Tag einen neuen Song zu veröffentlichen und diesen dann mit einem Lyric-Video kostenlos zugänglich zu machen, hat Aufmerksamkeit erzeugt und in der britischen Presse sogar ein Echo ausgelöst.
- Neil widmet sich lyrisch-satirisch den gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit. Das war bisher in dieser geballten Form noch nicht da. Mal "Shameless" als B-Seite, mal "How can you expect to be taken seriously?" als Album-Track bzw. Doppel-A-Seite.
- Auch wenn vorherige Alben schon mal ein übergeordnetes Thema hatten ("Fundamental"), so kann man festhalten, dass sich die PSB mit "Agenda" (der Titel beschreibt es schon) gesellschaftspolitisch positionieren wollen.
- Zum Musikalischen: "The Forgotten Child" ist der stärkste Song auf der EP. Ein todtrauriges, melancholisches Stück über ein Flüchtlingskind, das die Überfahrt durchs Mittelmeer nicht überlebt. Toll orchestriert, schöner elektronischer Break am Ende und ein Text, der nicht zu plakativ, aber auch nicht zu subtil daherkommt.
- Mit Abstrichen kommt auch "On Social Media" auf die Positiv-Liste. Genial-simples Lyric-Video, leicht verdaulicher Text zum Schmunzeln und in der Produktion noch leicht über dem Mittelmaß. Wäre unter den bisherigen Umständen sicherlich irgendwo als B-Seite versickert.

NEGATIV:
- "Give Stupidity A Chance" ist musikalisch eine einzige Enttäuschung. Als sei eine frühe Demo-Version von "Winner" recycled worden. Fast ein wenig schlager-esque. Der Text zeigt eine klare Haltung, ist aber insgesamt nicht gerade Neils feinsinnigster, sondern wirkt an manchen Stellen überraschend plump.
- "What Are We Going To Do About The Rich?" ist leider unterdurchschnittlich. Auch hier fällt die billige und völlig unzeitgemäße Produktion auf. Anleihen zu "Pandemonium" sind vorhanden - wurde hier auch recycled? "Stupidity", "Rich" und mit Abstrichen "Social Media" haben allesamt nur Demo-Niveau.
- Neil hat in mehreren Interviews die bandinterne Qualitätskontrolle hervorgehoben. So seien einige fertige Songs noch nicht einmal für das Bonus-Material der "Further Listening"s in Frage gekommen, weil sie keine Masterquality besäßen. Die Songs auf "Agenda" sind in einer viel exponierteren Stellung, sind aber mit Ausnahme von "Child" kompositorisch wie produktionstechnisch aber allenfalls mäßig.
- Das Sleeve-Design: Die Simplizität von Farrow in allen Ehren, aber überragend ist das nicht. Ich liebe die Arbeit von Farrow, habe mehrere gerahmte Tour-Lithographien an der Wand hängen, aber diesmal hat er meinen Geschmack nicht voll getroffen. Klar, zur satirisch-bissigen Grundaussage der EP passt das Foto, aber vielleicht fehlt auch hier wie bei den Songtexten ein bißchen der Subtext. Es ist sehr plakativ.

FAZIT:
Eine ungewöhnliche, wie überraschende VÖ der PSB. "The Forgotten Child" reist es raus, ansonsten wäre "Agenda" eine musikalische Enttäuschung geworden. Interessant wäre zu wissen, ob die Jungs sich recht spontan dazu entschlossen haben, dieses Themen-Bundle in Form einer EP vom Album abzulösen und als Schmankerl in der veröffentlichungsarmen PSB-Zeit zu platzieren oder ob das von Beginn an deren Absicht war, dieses gesellschaftspolitische Statement zu setzen.
Zuletzt geändert von Zukunft am Fr 8. Feb 2019, 17:54, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#57 Beitrag von Werner » Fr 8. Feb 2019, 13:17

Zukunft hat geschrieben:
Fr 8. Feb 2019, 12:48
..."The Forgotten Child" ... Ein tottrauriges, melancholisches Stück über ein Flüchtlingskind, das die Überfahrt durchs Mittelmeer nicht überlebt.
Ich denke, dass alles viel metaphorischer gemeint ist - dass das Kind für das menschliche (oder auch religiöse) Wertegerüst steht, welches in der aktuellen Zeit gerade ziemlichen Schaden nimmt und verloren geht, wenn Populismus (Stupidity), Narzissmus (Social Media) und überbordende Gier nach Reichtum (Rich) auf dem Vormarsch sind.

Ich hab den Text mal ins Poetically-Sub-Forum gestellt...
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#58 Beitrag von nitelife » Fr 8. Feb 2019, 14:20

Roland hat geschrieben:
Do 7. Feb 2019, 17:32
"What we are going to do about the rich?" hat auch einen Megaphone-Stimmeffekt, würde ich jedenfalls so definieren.
Hatten wir glaube ich noch in keinem PSB-Song.
das ist wohl der grund, dass ich da kaum ein wort verstehen kann....
gut, dass es ein lyric video gibt.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#59 Beitrag von Tenlow » Fr 8. Feb 2019, 14:56

Ok, mein Account funktioniert noch - gute Sache ;) Nach längerer Abstinenz, gebe ich auch mal kurz meinen Senf zur Agenda EP ab:

Generell erstmal finde ich es gut, dass da auch mal spontan und unangekündigt so etwas veröffentlicht wird. Könnten sie viel häufiger machen, besonders seit sie ihr eigenes Label haben. das ist also schonmal positiv.

Zu den Songs: Die Statements sind ok, aber eben tatsächlich echt in your face und nicht mehr so subtil, wie sie es früher oft waren. Das mag hier sogar beabsichtigt gewesen sein, von daher lasse ich das mal so stehen. Musikalisch klingt das eben nach Pet Shop Boys Demos/B-Seiten meine Güte. Am Puls der Zeit sind sie produktionstechnisch schon ewig nicht mehr, wollen und können sie vermutlich aber auch gar nicht mehr sein. Dass das alles andere als zeitgemäß ist ist so sonnenklar, dass es fast nicht zur Kritik taugt. “Give Stupidity a Chance” klingt nach “Winner”, ob das nun gut oder schlecht ist, bleibt jedem selbst überlassen.

“On Social Media” ist irgendwas zwischen “Too many people” und “Shameless” (inklusive des 1992er Sounds) - zwei Songs, die ich bis heute immer noch feiere. Das ist also durchaus ein guter Track, unabhängig davon, dass das der Sound von vor 25 Jahren ist/war.

“What are we going to do about the rich” klingt wie eine Demo Kreuzung aus “Pandemonium” und “What keeps mankind alive” - ist ein okayer Song, aber bisschen viel Schlager irgendwie und diese nicht sonderliche gut verständliche Megaphone Stimme von Neil tut dem Song auch keinen Gefallen.

Das eigentliche Highlight der EP ist für mich “The forgotten child” - so mag und mochte ich die Jungs immer schon am Liebsten. Elegant, etwas düster, mit gutem Text und einem tollen elektronischen Endabschnitt. Das wäre für mich auch ein guter Albumtrack geworden ala “King of Rome” oder “Sad Robot World” - gefällt mir sogar fast besser als beide genannten.

Wertungen:

Give Stupidity A Chance: 5/10
On Social Media: 6.5/10
What Are We Going To Do About The Rich: 4/10
The Forgotten Child: 8/10

Ich freue mich über die EP - sie kam unerwartet und liefert zumindest einen sehr guten und einen guten PSB Track. Viel mehr erwarte ich heute gar nicht mehr und freue mich, dass die das überhaupt noch machen nach 3 1/2 Dekaden.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#60 Beitrag von Roland » Fr 8. Feb 2019, 20:28

The forgotten child

Ich habe durch eine miese Erkältung echte K...tage. Leute, aber das hier ja!

PSB-Ballladen geraten ja schnell mal in den Bereich des Prätentiösen. Aber das hier ist so wunderschön dargeboten, ich bin total weg und liege auf den Knien. Minimal instrumentiert (Percussion!, erstmals ein Synthesizer im Stile von Jean Michel Jarre) nichts ist aufgeblasen, perfekte Stimmigkeit.

Das hier sind meine PSB. In aller Alterswürde und Schönheit.

So voller Dankbarkeit stehe ich da.

6 Jahre Wartezeit. Jetzt diese Minuten des totalen Glücks. Nagel und Herz getroffen!

Absolute Albumwürdigkeit, aber da muss dann wohl noch Besseres auf uns warten.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"Euro

#61 Beitrag von ubik » Fr 8. Feb 2019, 22:16

Was für eine Überraschung!

Die Meinungen gehen ja äußerst weit auseinander.

Für meine Ohren reihen sich die Songs nahtlos in die B-Seiten-Qualität der „Post-Alternative-Phase“ ein. The forgotten child sticht musikalisch hervor. Textlich sollten eigentlich all diejenigen befriedigt sein, die seit 2013 wieder mehr Tiefgang gefordert haben. (Sicherlich) gewollt mangelnde Subtilität ist in meinen Augen auch kein Manko, zumal in dieser Hinsicht stets absolute Glanzlichter (Shopping...) zum Vergleich herangezogen werden. Dabei wird gern vergessen, dass es stets ein schmaler Grat war...

Die Haupt-Intention war es sicherlich den Kaufanreiz für Anually zu steigern. Für das Album gab es für die Songs also ein (oder zwei) Veto(s) und ich finde diese Entscheidung in drei Fällen nachvollziehbar (ohne das kommende Album stilistisch/thematisch zu kennen). Es sind B-Seiten.

Produktionstechnisch hätte man sicherlich mehr herausholen können. Es wirkt ein wenig wie: „Chris, wir brauchen eine EP für Anually!“ ... „Ja, Neil! Ich schicke mal die vier Demos an Tim... der macht die schnell fertig.“
Mein Lieblingsbeispiel für die immense Bedeutung der Produktion ist Winner (der HappySad Extended Mix ist nahezu perfekt - die Albumversion höchstens Mittelmaß).

Aktuell ist mein größter Kritikpunkt das Cover. Wirkt auch so, als ob Farrow nicht viel Zeit hatte. Dennoch ist es ein Gegensatz zum gängigen („weiß-geometrischen“) Minimalismus der letzten Jahre.

Abschließend möchte ich noch betonen, dass ich hier nichts Peinliches finde. Jedenfalls nichts Peinlicheres als schon anno 1999 (und auch NYCB finde ich eigentlich nicht peinlich). Schlager höre ich auch nicht... aber dafür kenne ich mich in dem Metier (Frau Berg, Frau Fischer) nicht gut genug aus. Meine These ist, dass sich nicht die PSB dem Schlager angenähert haben, sondern dass sich der moderne Schlager mittlerweile klassischer Elemente der elektronischen Tanzmusik (und damit der PSB) bedient.

Ablehnen möchte ich die auch die Aussage, dass das Alter eine Rolle spielen würde. Die beiden sind nicht senil und es gibt genügend Beispiele kulturschaffender Personen, die noch im hohen Alter Herausragendes leisten. Nein, dass Alter ist für mich keine Erklärung für ggf. nachlassende Qualität eines Künstlers.
Zuletzt geändert von ubik am Fr 8. Feb 2019, 23:04, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#62 Beitrag von ubik » Fr 8. Feb 2019, 22:19

Nachtrag: On social media ist in Einheit mit dem dazugehörigen Video ein Genuss!

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#63 Beitrag von PSB_OMG » Sa 9. Feb 2019, 09:51

Zu der EP "Agenda" folgendes:

Lyrics: Sorry, um es mal klar zu sagen: Das ist Bono "ich rette die Welt" Vorschlaghammer-Niveau. Hätte nie gedacht, daß Neil Tennant mal auf solch' Bono-Niveau abrutscht. Dazu sind die Lyrics von Herrn Tennant vollkommen unglaubwürdig. Die PSB sind selbst Multi-Millionäre (sollten sie die zig Millionen, die sie in den 80ern und 90ern mit Sicherheit verdient haben, nicht vollkommen verprasst haben). Wenn Multi-Millionäre wie die PSB systemkritische Pop-Liedchen über andere Millionäre schreiben, schrillen bei mir die Alarmglocken. Aber ganz davon ab: Herr Tennant macht es sich natürlich sehr bequem, um im links-schrillen Chor "Trump ist dumb" mitzusingen. Ehrlicher, und vor allem mutiger, wäre es gewesen, wenn er die wachsende Homophobie und den wachsenden Antisemitismus nicht zuletzt hervorgerufen durch die Merkel-Politik der unkontrollierten Einwanderung "Kommt alle rein, ich hab' euch lieb, liebe Muslime", thematisiert hätte. Übrigens auch ein Grund, warum es zum Brexit gekommen ist...Aber das ist ein anderes Thema. Letzter Gedanke zu den Lyrics: Herr Tennant kann froh sein, daß er und sein Partner Chris Lowe in den 80ern und 90ern im ach so schlimmen Kapitalismus ihre Kohle verdient haben, denn ansonsten wären sie heute nicht Millionäre...

Sound: Peinlich. Da gebe ich ChrisPSB zu 100% Recht. Das ist wirklich erbärmliches Demo-90er-Jahre-Niveau. Auch der einigermaßen sauber produzierte Song "The forgotten child" reißt das Ruder nicht rum. Das alles hört sich so an als ob Herr Powell, nachdem er die Roh-Demos per E-Mail erhalten hat, seinen MacBook hochgefahren hat und in weniger als 1 Stunde die EP "produziert" hat. Billig halt. Sehr sehr billig. Ja, und richtig: Peinlich.

Fazit: Man wollte wohl kurzfristig und "auf die Schnelle" etwas raushauen um a) Annually zu promoten und b) die Asia-Tour zu promoten und c) zu zeigen, daß man noch da ist. Ergebnis leider peinlich. Schade. Sehr schade.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#64 Beitrag von ChrisPSB » Sa 9. Feb 2019, 11:29

loveetc123 hat geschrieben:
Fr 8. Feb 2019, 11:29
Was mich interessieren würde,da Du ja sehr,sehr negativ redest über die PSB,gab es denn in den letzten 10 Jahren einen Track,den auch Du gut fandest und welchen?
Ich rede nicht negativ über die PSB, sondern kritisiere deren Vorgehensweisen und Output. Und dazu ist dieses Forum da. Es haben einige User anscheinend noch immer nicht begriffen, dass auch diese Form der Kritik erlaubt ist.

Natürlich gab es in den vergangenen zehn Jahren viel Gutes! Love etc. ist in Haltung, Text und musikalisch eine ihrer besten kreativen Leistungen. Damit haben sie damals auch den Nerv der Hörer, den Zeitgeist, wenn man so will, getroffen. Zumindest in Deutschland. Auch das dazugehörige Video war und ist äußerst sehenswert. Mit Elysium gab es ein Album, ein Alterswerk sozusagen, das selbiges reflektierte, das Alter(n) nämlich. Man war mutig und überraschte mit der Wahl des Produzenten. So wünsche ich mir das. Elysium ist dann auch das letzte Glanzlicht der Arbeit Farrows. Und mit dem Telekom-Gig in Berlin gab es den schönsten, edelsten, erhabensten Live-Auftritt der PSB in der vergangenen Dekade. Electric ist ihr kreativstes, hörenswertestes Album seit Nightlife.

Agenda hingegen ist in Summe ein schwaches, ein altbackenes, ein peinliches Werk. Allein das verwendete Drums-Sample in GSAC ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Textlich geht das klar, das finde ich in Ordnung, gesanglich ist der Song auch interessant, aber musikalisch ist das eine unterirdische Produktion. OSC ist textlich total banal un plakativ. Das ist rein deskriptiv, ohne künstlerischen Griff. Das klingt einfallslos. Für eine Zustandsbeschreibung benötige ich die PSB nicht. Ich sehe jeden Tag selbst, was da los ist. Musikalisch auch schlimm. Und wenn man das Lyrics-Video schon als Erfolg feiert, wird eindeutig klar, wie es um deren Video-Output in den letzten Jahren bestellt ist, nämlich grottig. Über WAWGTATR möchte ich gar nicht großartig sprechen. Das ist in jeglicher Hinsicht unerträglich, peinlich, von oben herab. Dass Neil klarstellen muss, dass er über die "super rich" singt, spricht schon Bände. Von einem Millionen schweren Popstar benötige ich so einen Song nicht. Davon abgesehen ist das musikalisch einfach unerträglich. Das einzige Licht am Ende des Tunnels ist TFG. Toller Song, textlich wie musikalisch. Doch auch hier: Das ist der Mindeststandard, den man an einen PSB-Song haben sollte als Fan. Musikalisch überrascht das nicht, Synths und Melodieführung kennen wir bereits. Wenigstens ist das verwendete Percussions-Sample hier nicht ausgelutscht im PSB-Kanon. Das ist eine sehr gute B-Side, wie man es von den PSB immer mal wieder erwarten kann. Ein Album-Track ist das nicht. Mich erinnert das stellenweise zurück an Potemkin.

Und bitte: Die sind unabhängig, können tun und lassen, was sie wollen (und damit auch Agenda veröffentlichen, klar, denn es hier auch nur um meine Meinung!). Dass die VÖ einer solchen Surprise-EP dann als Heilsbringer geifeiert wird, kann ich nicht nachvollziehen. Hätten sie eher schon tun können, und so etwas besonderes ist die VÖ einer EP nun wirklich nicht. Auch lasse ich das Argument nicht gelten, dass sie nicht mehr an die heutigen Standards der Produktion herankommen könnten. Neil und Chris haben sich über Jahrzehnte als genaue Beobachter der Entwicklung elektronischer Musik erwiesen und ich bin mir ziemlich sicher, dass die genau wissen, was da wo los ist. Die könnten entsprechende Leute akquirieren und spannenden Pop machen. Machen sie nicht. Stattdessen klingen sie fürchterlich outdated und peinlich. Entweder sie entziehen sich dieser Herausforderung bewusst oder aber ihr Geschmack und die von NT betonte hausinterne CC sind komplett gegen die Wand gefahren.
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#65 Beitrag von ChrisPSB » Sa 9. Feb 2019, 11:38

Um es ganz klar zu sagen: Agenda ist der absolute Tiefpunkt ihres kreativen Schaffens. Viel tiefer kann man kaum sinken!
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#66 Beitrag von Roland » Sa 9. Feb 2019, 11:42

Kurzes Fazit, vieles hat mir Werner bezüglich des politischen Komplexes vorweggenommen.

Neil und Chris gönnen sich (fast vollständig) eine
Punk-Scheibe, rau, ungehobelt und laut. All das ist so gewollt sei es musikalisch oder lyrisch. Nichts passiert zufällig im PSB-Reich. Gleichzeitig war soviel Mut und Risiko zur Konfrontation noch nie. Alle Zurückhaltung und Nettigkeiten sind abgelegt. Respekt.

Niemand braucht Angst zu haben, niemals würden sie jetzt in der Folge ein Album in vergleichbarem Muster abgeben.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#67 Beitrag von Tenlow » Sa 9. Feb 2019, 12:39

ChrisPSB hat geschrieben:
Sa 9. Feb 2019, 11:38
Um es ganz klar zu sagen: Agenda ist der absolute Tiefpunkt ihres kreativen Schaffens. Viel tiefer kann man kaum sinken!
Ich glaube es sind Sätze wie diese, die deine durchaus berechtigte Kritik in vielerlei Augen als absolut überzogen und nicht nachvollziehbar aussehen lässt. Das wirkt wirklich wie, „ok ich mags nicht, aber das reicht mir nicht - ich brauch jetzt negative Superlative“. Kann man so machen, ist dein gutes Recht, aber ich verstehe diese Haltung auch nicht.

Mir fallen selbst spontan aus der Hüfte zig Dinge ein, die qualitativ um ein sogar vielfaches schlechter waren als Agenda. Die haben nicht nur Gold in der Vergangenheit produziert, fernab davon. Da waren belanglose Schnellschüsse dabei, sowohl auf B-Seiten, als auch auf „richtigen“ Studioalben (was in meinen Augen viel schlimmer ist). Schau dir mal die B-Seiten der letzten, keine Ahnung, 10 Jahre an. Einige gute sind dabei, aber in meinen Augen auch viel Mist - und praktisch keine ist irgendwie am Puls der Zeit produziert. Diese Kritik kann man seit Ewigkeiten anbringen, wenn man denn unbedingt will.

„Agenda“ ist nicht schlechter produziert, als 80% der genannten B-Seiten. Es klingt einfach, wie ich schon erwähnt habe, nach PSB Demos und B-Seiten, hör dir mal alle der letzten Jahre an. Und da willst du mir sagen, dass die wesentlich besser/aufwendiger/kontemporärer gemacht sind, als Agenda jetzt?

Die Kritik sollte in einer angemessen Relation sein und ich finde, dass sie das bei dir nicht ist. Sag einfach „ich persönlich finds Sche*ße“ - das ist vollkommen ok. Sich zu beklagen, dass die PSB (auf einer Demo/B-Seiten) EP „in 2019“ „so klingen“ (so wie sie es auf dieser Art von Songs schon seit Urzeiten tun), ist für mich kein plausibler Anlass für Kritik, aber auch hier darf jeder das sehen, wie er mag.

Das hier ist kein neues PSB Album! Wenn das die Qualität des nächsten Studioalbums sein sollte, schließe ich mich der Kritik durchaus an. Das hier ist ein kleines EP “Schmankerl” zwischendurch, ein wenig wie die “Christmas EP” oder ähnliches. Da wird mir kritiktechnisch viel zu viel Wirbel gemacht, aber gut das ist nur meine Meinung.

“Der Tiefpunkt des Kreativen Schaffens” ist es meiner Meinung nach in keinster Weise - dafür ist allein schon “The forgotten child” viel zu gut. Der Song ist in meinen Augen wesentlich kreativer/besser, als z.B. Songs wie „Groovy“, „Pazzo“ (unabhängig von der Produktion jetzt, es ist wie gesagt kein echtes PSB Album), um nur mal zwei willkürliche, aber relativ aktuelle Beispiele zu nennen. da gäbe es noch zig andere. Man kann den Track qualitativ sogar ohne Probleme neben beispielsweise ein „Do I have to“ oder vergleichbares stellen - wieder meine Meinung.

Die PSB werden den Sound, den du dir wünscht vermutlich nie wieder bringen wollen/können. Das ist schade für einen langjährigen Fan, keine Frage. Anderseits höre ich hier nichts, was ich nicht schon immer in verschiedenen Variationen gehört habe.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#68 Beitrag von ChrisPSB » Sa 9. Feb 2019, 12:55

Klar, ich pflichte dir bei, dass in den letzten Jahren immer mal wieder Murks dabei war. Vor allem gab es viele B-Seiten, die man einmal gehört und danach vergessen hat. Das ist aber auch der Punkt, du sagst es selbst frei heraus: Es gab immer mal wieder etwas, worüber man meckern konnte. Meine Kritik der letzten Jahre bezieht sich auch in der Hauptsache auf die Vorgehens- und Verhaltensweise der PSB, ich hab nicht konstant und konsequent deren Output schlecht geredet! Ich kann z. B. die Produzentenwahl nicht nachvollziehen. Gleiches gilt für das Stage-Design, wieso es keine guten oder überhaupt mal Videos gibt, das Artwork usw. usf. Der Unterschied liegt nun darin, dass wir hier kulminiert ein Werk vorliegen haben, was hinsichtlich des Outputs zu 3/4 so ist, wie oben beschrieben. Das sind schwache, peinliche Songs. Drei an der Zahl. Auf einer Veröffentlichung. Über das Artwork kann man streiten, die Lyrics-Videos taugen mir nicht und die Texte sind äußerst fragwürdig und teils auf schlimmsten Bono-Niveau. PSB-OMG hat das oben bereits gut beschrieben. Und deshalb, ja, genau deshalb sage ich nun zum erste mal: Bezogen auf deren Output ist das der kreative Tiefpunkt im Schaffen der PSB. Das ist nicht überzogen, sondern leider der Stand der Dinge - und meine Meinung.
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#69 Beitrag von ChrisPSB » Sa 9. Feb 2019, 12:56

Und um auch das ganz klar zu sagen: Ich wünsche mir keinen bestimmten Sound, den sie produzieren sollen. Ich wünsche mir, wenn überhaupt, gute, interessante, spannende Popmusik. Agenda ist das Gegenteil davon.
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#70 Beitrag von Tenlow » Sa 9. Feb 2019, 13:10

ChrisPSB hat geschrieben:
Sa 9. Feb 2019, 12:56
Und um auch das ganz klar zu sagen: Ich wünsche mir keinen bestimmten Sound, den sie produzieren sollen. Ich wünsche mir, wenn überhaupt, gute, interessante, spannende Popmusik. Agenda ist das Gegenteil davon.
Das machen sie aber in den seltensten Fällen auf Demos oder eben B-Seiten.

Ich bin mir sicher, dass wenn diese 4 „B-Seiten“, die tatsächlichen B-Seiten der nächsten Singles zum „richtigen“ Album geworden wären, sich die wenigsten beschwert hätten. Ziemlich sicher hätten viele sogar gesagt, dass das gute bis sehr gute B-Seiten sind. „On Social Media“ ist doch eine gute B-Seite, ein nettes Extra. Praktisch ein „One-Hit Wonder“ mit Text ;) Das ist im Übrigen auch nicht besser produziert.

Der Fehler ist in meinen Augen „Agenda“ mit den richtigen Albumveröffentlichungen zu vergleichen. Ich glaube, dass das automatisch nach „längerer Abstinenz“ passiert. Unabhängig davon bleibe ich dabei, dass „The forgotten child“ eine der besten „B-Seiten“ seit vielen Jahren ist.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#71 Beitrag von ChrisPSB » Sa 9. Feb 2019, 13:17

Ich möchte anhand eines konkreten Beispiels meine Form der Kritik verdeutlichen und vergleiche im Folgenden gewisse Aspekte rund um die letzten beiden Albumveröffentlichungen von New Order und den Pet Shop Boys: Super vs. Music Complete

Artwork: New Order haben mit Saville jemanden wie Farrow, der deren Werk langjährig begleitet. Saville allerdings geht immer wieder neue Wege, entwickelt sich, lässt NO und deren Musik (auch wenn deren Output innerhalb der letzten 20 Jahre deutlich geringer ausfällt als der der PSB) immer wieder neu aussehen, erstrahlen. Das Sleeve-Design, das Artwork, immer wieder interessant. So auch bei Music Complete. Farrow allerdings arbeitet sich seit Jahren an weißen Flächen und geometrischen Figuren ab und das wirkt auf mich nicht besonders kreativ. Das Artwork der PSB langweilt mich mittlerweile. Agenda geht hier einen neuen Weg, aber auch diese Hochglanzablichtung einer Selfie-Schießenden Frau ist weder innovativ noch begeistert sie mich. Im besten Falle, so mag man argumentieren, trifft das den direkten Ton der Texte, doch höre ich mich nicht sagen: Wow, geil, was ein tolles Artwork.

Videomaterial: New Order bekommen es hin, richtig tolle, sehenswerte Videos zu veröffentlichen. Allein die Idee, die Berliner Club-Szene mit den Inhalten höfischer Romane zu kombinieren, ist genial! Die PSB bekommen das seit Jahren nicht mehr hin. Man kann ja schon froh sein, wenn es überhaupt mal ein Video gibt. Kommt eins, taugt das auch nichts und ist nie mehr als fad.

Stage-Design: New Order arbeiten mit einer einzigen Videowand/-installation, die in meinen Augen mehr Wirkung erzielt und entfaltet, als das ganze Brimborium der PSB. Schlimmer ist allerdings, dass sich seit Pandemonium in kreativer Hinsicht so gut wie nichts mehr getan hat. Tänzer, Maskten, Kostüme und bunt mit Laser. Wie wäre es, mal ein vollkommen neues Stage-Design zu entwickeln und die Zuschauer zu überraschen? Vielleicht kommt man ja post-Price auf die diese Idee...

Veröffentlichungsstrategie: Konzentrieren wir uns auf Singles, auch, wenn das ein sterbender Markt ist: Zu jeder VÖ gibt es bei NO eine Maxi CD und zwei Vinyl-VÖs. Interessante Mixes, gute Namen. PSB: Fehlanzeige. Das einzig Positive: Die bringen noch B-Sides. Das schlechte daran: Die taugen mehrheitlich auch nix mehr.

Features: NO: La Roux, Brandon Flowers. PSB: Muss ich kurz überlegen, ähm, ah ja, da gab es zuletzt mal Example. Die für mich spannende Collabo mit Years & Years haben sie anscheinend auch vergeigt. Da kommt nichts mehr, was überrascht oder begeistert. To be fair: Sie müssen ja auch gar nicht kollaborieren, doch ist es übergreifend einfach so, dass sie mit dem immer gleichen Personal arbeiten und keine interessanten Leute akquirieren.

Summa summarum: NO haben mit ihrer letzten VÖ so ziemlich alles richtig gemacht. Da sehe ich auch viel mehr kreatives Potenzial, Mut zur Veränderung und Interesse an neuen Leuten, die involviert werden. Die wirken einfach wesentlich entspannter, offener. Mute ist auch ein gutes zu Hause, welches NO an die Hand nimmt und sich kümmert. Böse und im Scherze könnte man auch sagen: Gut, dass die PSB so lange bei einem Major unter Vertrag standen, der Neil und Chris noch bei der Stange gehalten hat. Mit Agenda wissen wir ja nun, wie schlimm sie ansonsten seit Jahren schon klingen würden - wäre da nicht noch Stuart Price, der ihnen den Sound noch so zurecht schleift, dass er halbwegs erträglich ist. ;)

P. S.: Die Songs auf Music Complete sind auch hörenswerter als auf Super. :D Immerhin gab es aber mit The Dictator Decides einen richtigen Kracher.
Zuletzt geändert von ChrisPSB am Sa 9. Feb 2019, 13:24, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#72 Beitrag von ChrisPSB » Sa 9. Feb 2019, 13:20

Tenlow hat geschrieben:
Sa 9. Feb 2019, 13:10
ChrisPSB hat geschrieben:
Sa 9. Feb 2019, 12:56
Und um auch das ganz klar zu sagen: Ich wünsche mir keinen bestimmten Sound, den sie produzieren sollen. Ich wünsche mir, wenn überhaupt, gute, interessante, spannende Popmusik. Agenda ist das Gegenteil davon.
Das machen sie aber in den seltensten Fällen auf Demos oder eben B-Seiten.

Ich bin mir sicher, dass wenn diese 4 „B-Seiten“, die tatsächlichen B-Seiten der nächsten Singles zum „richtigen“ Album geworden wären, sich die wenigsten beschwert hätten. Ziemlich sicher hätten viele sogar gesagt, dass das gute bis sehr gute B-Seiten sind. „On Social Media“ ist doch eine gute B-Seite, ein nettes Extra. Praktisch ein „One-Hit Wonder“ mit Text ;) Das ist im Übrigen auch nicht besser produziert.

Der Fehler ist in meinen Augen „Agenda“ mit den richtigen Albumveröffentlichungen zu vergleichen. Ich glaube, dass das automatisch nach „längerer Abstinenz“ passiert. Unabhängig davon bleibe ich dabei, dass „The forgotten child“ eine der besten „B-Seiten“ seit vielen Jahren ist.
Gestreut über mehrere Veröffentlichungen als B-Seiten würde auch nicht auffallen, wie schlimm dieser Output kulminiert nun ist. Eine EP besteht zudem nicht aus B-Seiten, wir empfinden sie nur als solche. Und im Gegensatz zu OSC macht OHW Spaß. ;)

Und klar: TFC ist ein toller Song, musikalisch wie textlich. Das habe ich aber auch oben hervorgehoben und den Track von meiner Kritik quasi ausgeschlossen.
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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#73 Beitrag von mhecker » Sa 9. Feb 2019, 13:34

Ich muss ChrisPSB leider in allem beipflichten.
Textlich, musikalisch. Ganz, ganz schlimm. Die Schlagerhaftigkeit hat sich meiner Meinung nach schon in den letzten Jahren angedeutet. Aber dann haben es tolle Titel wie Invisible oder Requiem... wieder herausgerissen. Aber hier ist alles schlecht.
Es ist aus meiner Sicht ein Fehler, immer mit den gleichen Leuten zu arbeiten. Da waren sie früher viel risikofreudiger und überraschender. Und vielleicht sollte man nicht zu viel mit Fans und erfürchtigen Menschen zusammenarbeiten. Sondern Leuten, die einem klar sagen, wenn Sachen einfach schlecht sind. Vielleicht ist das auch ein Nachteil, wenn man ein eigenes Label hat oder allen Quatsch über Kobalt raushauen kann. Vielleicht ist da ein Mensch von Parlophone als Qualitäts-Kontrolle doch besser??
Die immer gleichen Synths. Die immer gleichen Drums. Die langweilig programmierten Drums (wenn ich da an herrliche Beats wie DJ Culture denke). Die langweiligen Arrangements. Alles tausendmal und besser gehört.
Jedenfalls ist das ganz ganz bitter. Und ich für meinen Teil tue einfach so, als ob es diesen Release nicht gegeben hätte.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#74 Beitrag von ubik » Sa 9. Feb 2019, 17:44

OT - Sorry!

NO? Wahrscheinlich habe ich etwas verpasst. Ich höre NO sehr, sehr gern. Music Complete / Complete Music hatten allerdings kaum Überraschungsmomente... Das war quasi NO-by-numbers. Letztmalig überrascht war ich 2001 (Get ready). Außerdem haben NO in den letzten 14 Jahren nur 2,5 Alben veröffentlicht (Lost Sirens gehört ja quasi noch zum Vorgängeralbum. Im selben Zeitraum haben die PSB 5 Alben, das Ballet und das Turing-Stück geschrieben/veröffentlicht. Sicher trafen nicht alle PSB-Titel bzw. Alben jeden Geschmack, was das kreative Potential angeht, sehe ich allerdings die PSB absolut im Vorteil.

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Re: Album-Vorbote: EP "Agenda" - 12. April 2019 - VINYL 12"

#75 Beitrag von ChrisPSB » Sa 9. Feb 2019, 18:21

Ich habe in der Einführung erwähnt, dass die PSB deutlich mehr Output hatten in den vergangenen zehn Jahren als NO. Mir ging es darum, aufzuzeigen, dass zur Zeit der letzten Album-Releases NO die weitaus besseren Entscheidungen getroffen haben. Das Artwork von Saville ist gelungener, hinsichtlich der Musikvideos haben NO aktuell zu 100% mehr künstlerisches Potential als die PSB. Deren Videos sind eine Farce. Mit dem Videomaterial der letzten zehn Jahre haben sie ihr bis dato grandioses Werk vor die Wand gefahren. Die VÖs (Album - Special Edition - Singles - Live Album - Merchandise und aktuell die Movement Box) sind konsistenter und erscheinen leider auch hochwertiger und sind dennoch für jeden erschwinglich und kosten keine 500 Pfund. Mit Mute haben NO zudem einen sehr guten Heimathafen gefunden, der zu ihnen passt, der sich kümmert, der ihre Ideen mitträgt. Außerdem sind NO viel mehr am Puls der Zeit und akquirieren (bspw. für Remixes oder Collabos) Namen, die etwas taugen. Live treten sie wesentlich subtiler und schlichter in Erscheinung als die PSB, doch die angesprochene Videowand ist effektiv und die überarbeiteten Liveversionen älterer Songs sind origineller als die der PSB. Ein Beispiel: Diese neue Version von Devices ist unerträglich und zerstört den Vibe des Tracks ohne Mehrwert. Die PSB erscheinen öffentlich zudem immer mehr wie Diven, denen alles zuviel ist. Als ich Sumner 2015 in Berlin traf, war er total entspannt und lies sich ob eines drängelnden Begleiters auf mich ein. In IVs treten NO ebenfalls sehr entspannt und versöhnt auf. Neil hat m. E. leider auch seit Jahren nix neues oder interessantes mehr zu erzählen und wirkte in manchen IVs geradezu empfindlich. Summa summarum sagt mir da der NO Approach wesentlich mehr zu. Sie treffen die besseren Entscheidungen, haben die besseren Leute, treten im Öffentlichen Raum sympathischer auf.

Aber hey, das kann sich ja ändern. Ich bin gespannt, wie es um denbeim künftigen Albumrelease der PSB zugehen wird. Neues Spiel, neues Glück. Da werden wir uns dann wieder über Singles, Videos, Artwork etc. unterhalten.
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